COMPLIANCE - NUR EIN VERSPRECHEN ODER ALLTAG IN DEUTSCHEN UNTERNEHMEN?

12. November 2015
B. Fischer

PKW im Parkhaus

Der Abgas-Skandal von Volkswagen hat gezeigt: die im Deutschen Corporate Governance-Kodex beschriebenen und VW-eigene Compliance-Regeln sind im Alltag des Unternehmens nicht angekommen.  

Über Jahre hinweg wurde  bei VW die Software in Dieselfahrzeugen so programmiert, dass der tatsächliche Schadstoffausstoß nicht mit Testwerten übereinstimmte und damit erheblich größere Mengen an Stickoxiden in die Umwelt gelangten.

Die vorläufige Bilanz des  Schadens: weltweit circa 11 Millionen betroffene Fahrzeuge, Rückstellungen von mehr als 6 Mrd. Euro und im dritten Quartal ein Verlust von 3,5 Mrd. Euro. Der Vertrauensschaden durch den Reputationsverlust ist hier noch nicht eingerechnet und es ist nicht der erste Skandal, der an der Verinnerlichung ethischer Grundsätze im VW- Konzern zweifeln lässt.

Was muss sich in Unternehmen ändern, um solche Skandale zu verhindern? Compliance-Regeln allein reichen offensichtlich nicht aus, um Regelkonformität im Unternehmen sicherzustellen. Es bedarf vielmehr einer Unternehmenskultur, in der Compliance fest verankert ist, sowie  geeigneter  Prozesse und Strukturen, die eine frühzeitige Erkennung und Ahndung von Verstößen ermöglichen. Prof. Dr. Ludger Heidbrink, Gastprofessor am Reinhard-Mohn-Institut für Unternehmensführung und Corporate Governance betont, dass eine „Kultur der Werte und Transparenz“ Unternehmen langfristig stärken kann.

2006 machte der Siemens-Konzern mit dem bis dato größten Korruptionsskandal in der deutschen Unternehmensgeschichte Schlagzeilen. Das Unternehmen setzte damals Maßstäbe in der Aufklärung der Affäre und der Initiierung eines durchgreifenden Kulturwandels. In der Folge entstanden Compliance-Abteilungen in vielen deutschen Unternehmen - auch motiviert durch die Einsicht, dass ein solides Compliance-Management die Unternehmensmarke stärkt und Vorstände absichert.

Man könnte nun meinen, Maßnahmen zur Compliance seien der unausweichliche Königsweg zu einer guten, wirtschaftsethisch einwandfreien Unternehmenskultur. Auf dem 8. Tübinger Arbeitsrechtstag 2013  wurden auch kritische Fragen - wie eine mögliche Überregulierung oder die Entwicklung einer Misstrauenskultur - diskutiert.