MIGRATION IN DEUTSCHLAND: GRUNDLAGE FÜR DAS NÄCHSTE DEUTSCHE WIRTSCHAFTSWUNDER?

13. Oktober 2015
Joachim Michel

In diesem Sommer 2015 erlebt Europa einen starken Zustrom an Flüchtlingen und Einwanderern. Allein in Deutschland werden in diesem Jahr bis zu 1,5 Millionen Flüchtlinge erwartet. Während im Moment noch die praktischen Fragen der Flüchtlingsunterbringung im Vordergrund stehen, wird gleichzeitig gefragt, welche ökonomischen Folgen eine solch große Immigration hat und ob Deutschland neben der Einwanderung über Asyl auch endlich ein Einwanderungsgesetz braucht? Mit diesen und ähnlichen Fragen beschäftigt sich ein Dossier sowie einige Beiträge der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Wirtschaftsdienst.

Aus Sicht der Menschen des Ziellandes werden von Wirtschaftswissenschaftler/Innen und Ökonom/Innen immer die Kosten und Nutzen der Einwanderung betrachtet. Für Deutschland kommt eine Studie von Holger Bonin zu deutlich positiven fiskalischen Effekten von Migration - aus wirtschaftspraktischer Sicht unterstützt durch Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG, der auf der IAA 2015 in seiner Keynote die Zuwanderung als potenzielle Grundlage für ein neues Wirtschaftswunder in Deutschland sieht:

Hans-Werner Sinn errechnet dahingegen einen negativen Beitrag, welcher aber nicht unwidersprochen hingenommen wird. Neben den fiskalischen Effekten werden die Arbeitsmarktwirkungen der Migration für die Inländer/Innen und die Integration der Ausländer/Innen in den Arbeitsmarkt stark diskutiert. Für Deutschland hat insbesondere das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung viele Publikationen zu diesem Thema veröffentlicht.

Internationale Meta-Analysen, die migrationsökonomische Untersuchungen aus aller Welt zusammenfassen, kommen zu dem Ergebnis, dass die Einwanderung über verschiedene ökonomische Zusammenhänge langfristig das Wirtschaftswachstum der Zielländer erhöht.

Was die Herkunftsländer betrifft, so gibt es dort auch positive und negative Effekte. Der schmerzlichste Verlust für Entwicklungsländer ist die Auswanderung von hochqualifizierten Arbeitskräften, welche als „brain drain“ bezeichnet wird. Dagegen sind die Geldtransfers, die Arbeitsmigrant/Innen aus dem Gastland in die Heimat überweisen, als ausgesprochen positiv zu bewerten. Werden die Einwanderer und Einwanderinnen im Gastland gut aus- und weitergebildet und kehren sie danach in ihre Heimat zurück, dann führt dies zu einem positiven „brain gain“.