ÖLPREISVERFALL - SEGEN ODER FLUCH FÜR DIE WELTWIRTSCHAFT?

08. Februar 2016
T. Groß

Ölraffinerie

Der Ölpreis kennt anscheinend nur noch eine Richtung – steil nach unten. Seit dem Sommer 2014 ist der Preis um 70% gefallen. Zum Jahresanfang hat es zwar eine leichte Erholung am Weltmarkt gegeben, doch von einer Trendwende kann noch nicht gesprochen werden. Aktuell kostet eine Tonne Erdöl der Sorte Brent so viel wie zu Beginn der Finanzkrise 2008.

Was den Verbraucher an der Tankstelle oder bei den Energiekosten im heimischen Haushalt freut, hat massive Auswirkungen auf die Einnahmen und damit auf die Wirtschaftslage in den erdölproduzierenden Ländern. Die meisten dieser Staaten bräuchten Rohölpreise jenseits der 100-Dollar-Marke, um ihre Einnahmen zu decken und größere Haushaltsdefizite zu vermeiden.  

Daher wachsen mit den fallenden Ölpreisen die Sorgen in den erdölproduzierenden Ländern – von Moskau bis Riad, von Caracas bis Jakarta. Auch in Ländern, die in der Vergangenheit vor allem auf Fracking als Fördermethode gesetzt haben, wie die USA zum Beispiel, spüren den massiven Preisverfall. Ein ganzer Industriezweig schreibt momentan rote Zahlen.  

Bisher galten vor allem Preisanstiege als eine Gefahr für die Weltkonjunktur. Nun entwickelt ein anhaltender Preisverfall am Rohölmarkt ein nicht für möglich gehaltenes Gefährdungspotential. Mit den sinkenden Ölpreisen wächst die Verunsicherung in den Abnehmerländern. Auch die Finanzmärkte sind nervös. Wie lange können diese Staaten dem anhaltenden Verfall des Ölpreises noch mit eigenen Mitteln begegnen, ohne dass es auf die konjunkturelle Entwicklung der Weltwirtschaft durchschlägt?

Nicht zu unterschätzen sind vor allem auch die geopolitischen Problemlagen, die aus einem niedrigen Ölpreis erwachsen. Das Geschäftsmodell ganzer Staaten – z. B. Russland, Saudi-Arabien - gerät ins Wanken und verstärkt die bereits bestehenden gegenseitigen Spannungen.