23.05.17 11:45

Die Vermessung von Open Science – Wie die nächste Generation wissenschaftlichen Impact bewertet

ZBW-Professorin und Altmetrics-Expertin Isabella Peters stellt auf Open Science Conference erstmalig EU-Report „Next-generation metrics in Open Science“ vor

Kiel/Hamburg, 23. Mai 2017:
Die EU-Expertengruppe Altmetrics hat ihre Empfehlungen zum Thema Leistungsmessung offener Wissenschaft veröffentlicht. Prof. Dr. Isabella Peters, deutsches Mitglied dieser europäischen Expertengruppe, stellte diesen Report „Next-generation metrics“ erstmalig auf der Open Science Conference vor. Kernforderungen: Metriken müssen kompromisslos messen, was wirklich zählt in Open Science. Metriken müssen zudem verantwortungsvoll eingesetzt werden.

Die Kritik am aktuellen Wissenschaftssystem und seiner Leistungsindikatoren wächst. Zudem gibt es einen großen Bedarf von Seiten der Wissenschaftspolitik, Anreize für Open Science zu schaffen. Vor diesem Hintergrund wurde eine EU-Expertenkommission um Isabella Peters, ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft, berufen, die nun im Kontext von Open Science das indikatorenbasierte Forschungsbewertungssystem, und insbesondere Altmetrics, kritisch in den Blick genommen hat.

Die Expertengruppe hat Vorschläge erarbeitet, wie Messindikatoren die Entwicklung zu Open Science unterstützen und den Grad an Offenheit in der Wissenschaft quantifizieren können.

Eine besondere Rolle kommt dabei der sogenannten Altmetrics zu, die alternative Metriken, die die zitationsbasierten Indikatoren wie H-Index und Journal Impact Factor um Informationen zum Vorkommen wissenschaftlicher Ergebnisse außerhalb von Fachzeitschriften ergänzen. Sie sind nämlich gleichzeitig Treiber als auch Effekt von Open Science, z.B. wenn durch das Twittern wissenschaftlicher Inhalte eine größere Öffentlichkeit auf die Forschung aufmerksam wird, sie per Retweet weiterverbreitet und dadurch die Reputation des Forschenden steigt.

Dennoch können weder Altmetrics, noch traditionelle Indikatoren uneingeschränkt zur Vermessung von Open Science empfohlen werden. Neben anderen Problemen, spiegeln beide Werturteile wider, die dem, was gezählt werden kann (z.B. Zitationen und Retweets), einen Vorzug gegenüber dem geben, was nicht gezählt werden kann (z.B. Qualität der Forschung). Damit erfährt letzterer Aspekt stets einen Nachteil in quantitativen Betrachtungen der Wissenschaft.

Daher hat die Expertengruppe folgende Empfehlungen zur Verwendung von Metriken im Report “Next-generation metrics” veröffentlicht:

  1. Metriken zur Leistungsbewertung von Open Science müssen den Kontext der Evaluation berücksichtigen und qualitative und quantitative Beurteilungen enthalten. Es gibt keine one-size-fits-all-Lösung.
  2. In Open Science sind Transparenz und Genauigkeit wesentliche Kriterien für die altmetrische und traditionelle Leistungsmessung. Nur ein offener, verantwortungsvoller Einsatz von Indikatoren kann Systeme offener Wissenschaft befördern.
  3. Bereits vorhandene Metriken für Open Science sollten besser genutzt werden. Dazu zählen beispielsweise Downloads, Co-Autorenschaften, Interaktion mit wissenschaftlichen Inhalten über Tweets, Likes o.ä., auch durch Laien.
  4. Die Metriken der nächsten Generation sollten durch eine offene, transparente und verknüpfte Dateninfrastruktur untermauert werden. Es müssen einzigartige, eindeutige, anhaltende, verifizierte, offene und globale Identifikatoren für wissenschaftliche Produkte entwickelt und gefördert werden, um eine vollständige Vermessung wissenschaftlicher Leistung vornehmen zu können.
  5. Gemessen werden muss, was zählt: Die nächste Generation von Metriken sollte auf Basis jener Qualitäten und Auswirkungen geschaffen werden, die die europäischen Gesellschaften am meisten schätzen und brauchen, und nicht diejenigen, die am leichtesten gesammelt und gemessen werden können.

Zur EU Expertengruppe Altmetrics:

Die Expertengruppe Altmetrics wurde berufen durch die Generaldirektion Forschung und Innovation der Europäischen Kommission. Ihr Auftrag war es, Vorschläge zu erarbeiten für ein alternatives Bewertungssystem wissenschaftlicher Arbeit jenseits des quantitativen zitationsbasierten Impact Factors. Die hochrangige Expertengruppe „Expert Group on Altmetrics“ besteht aus sechs Expert/inn/en auf den Gebieten Informationswissenschaft, Social Computing, Politikwissenschaft, Informatik, Szientometrie und Web Science. Neben Isabella Peters sind weitere Mitglieder James Wilsdon, University of Sussex, UK, Paul Wouters, Leiden University, Niederlande, Robert Frodeman, University of North Texas, USA, Judit Bar-Ilan, Bar-Ilan University, Israel, und Elisabet Lex, Graz University of Technology.

Isabella Peters, die sich primär mit Science 2.0 und Altmetrics befasst, ist Wissenschaftlerin an der ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft und Professorin für Web Science an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.

Zum Report

Pressemitteilung im PDF-Format

Weitere Pressemitteilungen zu diesem Thema:

Alexander von Humboldt-Stipendiatin wählt ZBW als Gastgebereinrichtung
(23.05.2017)