

Den Boykottaufruf gegen Elsevier haben weltweit mittlerweile mehr als 11.500 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterzeichnet. Allerdings wird die Aktion vor allem von Naturwissenschaftler/innen getragen. Die ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft hat nun Wirtschaftswissenschaftler/innen aus ganz Deutschland zu ihrer Position zum Elsevier-Boykott (siehe: www.thecostofknowledge.com) und ihrer Einstellung zur Open-Access-Bewegung befragt.
Insgesamt haben 813 Wirtschaftswissenschaftler/innen an der Umfrage teilgenommen. 8 Prozent der Befragten haben den Elsevier-Boykott unterzeichnet. 39 Prozent der Wissenschaftler/innen jedoch haben sich bewusst gegen eine Teilnahme an der Akademikerrevolte entschieden. Weitere 8 Prozent waren weder informiert noch interessiert. Der Löwenanteil der Befragten allerdings, das sind 46 Prozent, hatte bis zum Befragungsstart am 2. Mai 2012 noch nicht vom Elsevier-Boykott gehört und denkt zumindest über eine Teilnahme nach.
Zum Thema Open Access antworteten 73 Prozent der Befragten, dass sie zwar grundsätzlich die Open-Access-Idee unterstützen, aber mangels Alternativen vorwiegend in klassischen Subskriptionszeitschriften veröffentlichen, weil diese oftmals über eine höhere Reputation und das bessere Ranking verfügen. Nur 6 Prozent der Befragten veröffentlichen bereits in Open-Access-Journals. 6 Prozent der Wissenschaftler/innen dagegen halten die Open-Access-Idee nicht für tragfähig und veröffentlichen auch in Zukunft weiterhin in klassischen Subskriptions-Journals. Immerhin knapp 16 Prozent sympathisieren mit der Open-Access-Bewegung und sind an alternativen Publikationsmodellen interessiert.
Die befragten Wissenschaftler/innen kamen zu 46 Prozent aus volkswirtschaftlichen Instituten, zu 39 Prozent aus betriebswirtschaftlichen Instituten und zu 15 Prozent aus anderen wirtschaftswissenschaftlichen Fachgebieten: Befragt wurden sowohl Professor/inn/en (34 Prozent) als auch wissenschaftliche Angestellte (63 Prozent).
Als Gründe für die Zurückhaltung gaben vor allem junge Wissenschaftler/innen an, dass sie negative Auswirkungen auf ihren weiteren Karriereverlauf befürchten. Einer der Befragten sagte beispielsweise: „Die Möglichkeit des Boykotts ist Professoren mit Lebenszeitstellen gegeben; als junger Wissenschaftler wäre es jedoch geradezu fahrlässig gegenüber der eigenen Zukunft, auf Publikationen in den teils sehr renommierten Zeitschriften von Elsevier zu verzichten.“

Ökonomen zum Elsevier-Boykott

Ökonomen zu Open Access
Die ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft ist das weltweit größte Informationszentrum für wirtschaftswissenschaftliche Literatur mit einem überregionalen Auftrag – online wie offline. Heute beherbergt die Einrichtung rund 4 Millionen Bände und 32.000 laufend gehaltene Zeitschriften. Daneben stellt die ZBW die wohl am schnellsten wachsende Sammlung von Open-Access-Dokumenten im Internet zur Verfügung: EconStor, der digitale Publikationsserver, verfügt heute über 37.000 frei zugängliche Aufsätze und Working Papers. Mit EconBiz, der Suchmaschine für internationale wirtschaftswissenschaftliche Fachinformationen, können Studierende oder Wissenschaftler/innen in über 9 Millionen Datensätzen recherchieren. Die ZBW gibt die beiden wirtschaftspolitischen Zeitschriften Wirtschaftsdienst und Intereconomics heraus und betreibt zusammen mit dem Institut für Weltwirtschaft (IfW) das Peer-Review-Journal Economics, das nach dem Prinzip des Open Access konzipiert ist. Die ZBW ist Teil der Leibniz-Gemeinschaft und seit 2007 Stiftung des öffentlichen Rechts.
DR. DOREEN SIEGFRIED
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