NOBELGEDÄCHTNISPREIS FÜR WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFTEN 2021 FÜR DIE METHODIK DER NATÜRLICHEN EXPERIMENTE UND KAUSALZUSAMMENHÄNGE: DAVID CARD, JOSHUA D. ANGRIST UND GUIDO W. IMBENS

13. Oktober 2021
J. Michel

Bei der letzten Bundestagswahl wurde auch über eine Erhöhung des Mindestlohns diskutiert. Bis Ende der 1980er Jahre war es in der Ökonomie sehr umstritten, ob eine Mindestlohnerhöhung zu höherer Arbeitslosigkeit führen wird oder nicht, da sich bisherige empirische Ergebnisse widersprochen haben.

Um diese Frage für die USA zu beantworten, entwickelte David Card eine Methode, die man heutzutage als „Natürliches Experiment“ bezeichnet. Er wusste, dass in 2 benachbarten US-Staaten der gleiche Mindestlohn gilt und ein Staat plante den Mindestlohn zu erhöhen. Er betrachtete den Arbeitsmarkt für Fast-Food-Restaurants und schaute sich nach der Mindestlohnerhöhung an, ob die Beschäftigungsentwicklung in den Staaten unterschiedlich war. Es zeigte sich keine spürbare Änderung - die Erhöhung des Lohns hatte also keine schädlichen Auswirkungen.

Da es in der Realität oft zu natürlichen Experimenten kommt, wird diese Methode mittlerweile auf viele Bereiche angewendet. Allerdings ist wegen der schwierigen Datenlage nicht immer der korrekte Kausalzusammenhang bekannt. Hier fanden Joshua D. Angrist und Guido W. Imbens eine Lösung, die sie als „Local average treatment effect“ bezeichneten.

Alle drei Preisträger zusammen „revolutionierten damit die empirische Forschung“ in den Sozialwissenschaften.

Literatur zum Nobelgedächtnispreis Wirtschaftswissenschaften 2021